Wusstest du schon, dass es nicht egal ist, wie du dein Haus und deinen Garten beleuchtest? – Und es ist nicht egal, wie wir unsere
Häuser, Straßen und Plätze beleuchten - nicht für die Pflanzen, nicht für die Tiere und schon gar nicht für uns Menschen! Wieso und weshalb und was macht den Unterschied? Warum hilft es uns allen,
wenn wir die Nacht wieder dunkel sein lassen? Und was kann jeder von uns dafür tun?
Einige Antworten sind in unserer Artikelserie und auf der Homepage der Alternativen Ecke zu finden.
Rettet die Nacht – Teil 1 Worum geht es?
Tag und Nacht – Naturphänomene
Unsere Erde – der „blaue Planet“ – unterliegt dem rhythmischen Wechsel zwischen Tag und Nacht durch das Sonnenlicht in Kombination mit der Erdrotation. Dieser endlose Rhythmus von Hell und Dunkel ist
Taktgeber für sämtliches Leben auf der Erde – Menschen, Tiere, Pflanzen, Ökosysteme. Seit rund drei Milliarden Jahren ist er in den Genen fast aller Organismen fest verankert. Er steuert so gut wie
alle lebenswichtigen Prozesse, vor allem Wach- und Schlafphasen aber auch Zell-Reparatur und -Regeneration.
Viele Organismen sind von Natur aus Tagwesen, brauchen Licht und Wärme. Wir Menschen gehören dazu. Andere Arten wiederum sind nachtaktiv und „verschlafen“ den Tag so sind
- 2/3 der Säugetiere nachtaktiv, darunter alle Fledermausarten.
- 80% aller Schmetterlinge nachtaktiv.
Diese Lebewesen brauchen den dunklen Nachthimmel mit Mond und Sternen. 4000 Sterne könnten wir an einem natürlich dunklen Sternenhimmel sehen.
Wenn die Nacht verschwindet – Lichtverschmutzung bringt alles durcheinander
Ende des 19. Jahrhunderts begannen wir Menschen den Nachthimmel systematisch aufzuhellen. Denn die elektrische Beleuchtung wurde erfunden. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Nachthimmel dann
erstmals signifikant aufgehellt von der immer größer werdenden Zahl an Straßenlaternen. Jeder weitere Technologiesprung intensivierte diese Aufhellung, die man auch als Lichtverschmutzung bezeichnet.
Den Höhepunkt markiert derzeit die LED-Technik. Die geringen Herstellungskosten bei gleichzeitig enorm hoher Energie-Effizienz (d.h. hohe Leuchtdichte bei kleinem Energieverbrauch) führen zu einem
regelrechten Boom. Heutzutage wird sie nahezu inflationär eingesetzt. Alles und überall wird hell beleuchtet und oft die ganze Nacht hindurch. Und dieses Licht breitet sich auch ungebremst aus und
bildet über Städten sogenannte Lichtglocken, die über hunderte Kilometer sichtbar sind. Immer mehr Kunstlicht und damit immer hellere Nächte haben drastische Folgen für Menschen, Tiere, Pflanzen und
Ökosysteme.
Die gute Nachricht: jede/r von uns kann etwas dagegen tun!
Welche Auswirkungen die Lichtverschmutzung hat und was auch du selbst tun kannst, ist in unserer Artikelserie zusammengetragen, die in den nächsten Wochen regelmäßig an dieser Stelle erscheint.
In der nächsten Folge geht es um das Verschwinden der Nacht und die Auswirkungen auf die Igel.
Rettet die Nacht – Teil 2:
Igel haben keine Rollos!
Wusstest du schon, dass es nicht egal ist, wie du dein Haus und deinen Garten beleuchtest? – Und es ist nicht egal, wie wir unsere
Häuser, Straßen und Plätze beleuchten - nicht für die Pflanzen, nicht für die Tiere und schon gar nicht für uns Menschen! Wieso und weshalb und was macht den Unterschied? Warum hilft es uns allen,
wenn wir die Nacht wieder dunkel sein lassen? Und was kann jeder von uns dafür tun?
Einige Antworten sind in unserer Artikelserie hier zu finden.
Hallo, ich bin der Igel aus deiner Nachbarschaft.
Im Winter habe ich geschlafen, aber ab April renne ich wieder ab der Dämmerung durch eure Gärten. Können wir mal über deine Gartenbeleuchtung sprechen?
Wir Igel brauchen die Dunkelheit. Wenn ihr Menschen abends zur Ruhe kommt, beginnt meine Aktivitätszeit. Für euch sehen
eure Solarleuchten, Lichterketten und Leuchtkugeln schön aus, ich aber bin nachtaktiv und lichtscheu. Deshalb ist die künstliche Beleuchtung eures Gartens eine tiefgreifende Veränderung meines
Lebensraums. Dadurch habe ich Probleme bei meiner Nahrungssuche, dabei gibt es sowieso schon viel weniger Insekten für mich als früher, so dass es für mich immer schwieriger wird,
satt zu werden. Ich fresse alle möglichen Gartenschädlinge, vor allem Insekten, Raupen und Larven, aber auch Schnecken und das nützt euch ja eigentlich auch zum Beispiel im Gemüsegarten. Das kann ich
aber nur dort, wo es nachts ausreichend dunkel ist. Bleiben wir Igel wegen zu viel Licht eurem Garten fern, haben Schnecken und andere Gartenschädlinge leichteres Spiel sich
auszubreiten.
Viele kleine Igelkinder? Zahlreiche Gärten sind heutzutage beleuchtet, häufig die ganze Nacht hindurch. Früher bin ich
nachts durch die Nachbargärten gestreift und habe im Dunkeln nach einer Partnerin gesucht. Aber heute ist es sehr schwierig, dem künstlichen Licht aus dem Weg zu gehen, wir Igel finden oft nicht mehr
zueinander. Da ist es kein Wunder, dass wir immer weniger werden. Außer der Lichtverschmutzung machen uns bereits andere vom Menschen verursachte Herausforderungen wie Straßenverkehr, Mauern und
Zäune und Mähwerkzeuge, vor allem die Mähroboter, zu schaffen. Seit 2024 stehen wir auf der Roten Liste der potenziell gefährdeten Arten.
Wir Igel machen unsere Nachtarbeit seit Millionen von Jahren, aber moderne Beleuchtung macht es uns schwer weiterzumachen.
So könnt ihr uns helfen:
Denkt dran: Ein dunkler Garten ist ein igelfreundlicher Garten! Wir danken es
euch!
In der nächsten Folge geht es um das spektakuläre Liebesspiel der Glühwürmchen
Rettet die Nacht – Teil 3:
Das spektakuläre Liebesspiel der Glühwürmchen
Es ist nicht egal, wie du dein Haus und deinen Garten beleuchtest – und es ist nicht egal, wie wir unsere Häuser, Straßen und Plätze
beleuchten - nicht für die Pflanzen, nicht für die Tiere und schon gar nicht für die Menschen! Wieso und weshalb und was macht den Unterschied? Warum hilft es allen, wenn wir die Nacht wieder dunkel
sein lassen? Und was können wir dafür tun? Einige Antworten sind in unserer Artikelserie und auf der Homepage der Alternativen Ecke zu finden.
Leuchten, um zu sterben - das spektakuläre Liebesspiel der Glühwürmchen
Wer Glück hat, kann in lauen Sommernächten im Juni ein mysteriöses Naturschauspiel beobachten: den Tanz der Glühwürmchen. Tagsüber führen sie ein recht unauffälliges Leben. Doch kaum
bricht die Nacht herein, beginnt der leuchtende Paarungstanz der Leuchtkäfer.
Glühwürmchen sind keine Würmchen, sondern Käfer und werden deshalb auch Leuchtkäfer genannt. In Deutschland gibt es drei Arten: der Kleine Leuchtkäfer, der Große Leuchtkäfer und der
Kurzflügel-Leuchtkäfer. Bei allen drei Arten können die Weibchen leuchten, aber nicht fliegen. Bei den Männchen kann dafür nur eines hell leuchten: der Kleine Leuchtkäfer. Auf
Partnersuche schweben sie lautlos an Hecken und Waldrändern entlang, als leuchtende Punkte in der Dunkelheit. Das grün-gelbe Signal bedeutet: bereit zur Paarung. Es entsteht durch eine chemische
Reaktion im Hinterleib der Glühwürmchen.
Grüne Liebeslichter: Beim Einbruch der Dunkelheit klettern die Weibchen an Grashalmen empor und senden von dort mit ihrem leuchtenden Hinterteil Signale an die Männchen aus. Die
Partnersuche ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Lebensenergie der ausgewachsenen Tiere ist begrenzt. Nach ihrer Verwandlung von der Larve zum Käfer bleiben erwachsene Glühwürmchen nur noch
knappe drei Wochen am Leben. Während dieser Zeit nehmen sie keine Nahrung mehr auf und leben sozusagen ausschließlich von Luft und Liebe. Die fliegenden Männchen werden vom weiblichen Leuchten
magisch angezogen und lassen sich aus der Luft auf die Auserwählte fallen.
Das Licht der Glühwürmchen entsteht durch eine chemische Reaktion, bei welcher ein Stoff namens Luciferin in einen energiereichen Zustand versetzt wird. Sobald sich zwei gefunden
haben, löscht die Glühwürmchen-Dame ihr Liebeslicht. Nach geglückter Paarung stirbt das Männchen, dem Weibchen bleibt nur noch Zeit, um etwa 60 bis 90 Eier unter Steinen oder Ästen abzulegen. Dann
stirbt es ebenfalls – das Lebensziel ist erfüllt. Aus den Eiern schlüpfen die Larven und es dauert 3 Jahre, bis sie erwachsen werden.
Glühwürmchen-Larven – eiskalte Mörder und Freunde des Gärtners
Glühwürmchen verbringen drei Jahre - und damit den Großteil ihres Lebens - als Larve. Während dieser Zeit sind sie wenig romantisch unterwegs: Sie gehen gezielt auf die Jagd nach Schnecken, laufen
deren Schleimspur hinterher, töten sie mit Giftbissen und verspeisen sie innerhalb eines Tages. Sie können sie sogar fortschleppen!
Glühwürmchen verwöhnen
Ihr könnt den Glühwürmchen helfen: In unserer 24-Stunden-Gesellschaft wird viel künstliches Licht in die für Glühwürmchen lebenswichtige Dunkelheit gebracht. Da können die Weibchen noch so sehr
leuchten – vergebens. Von den Männchen werden sie so nicht gefunden. Wer in seinem eigenen Garten das magische Leuchten der Glühwürmchen beobachten möchte, braucht vor allem eins: Dunkelheit.
Deshalb: verzichtet auf künstliche Beleuchtung im Garten, damit sich die Glühwürmchen zu euch trauen und sich die Paare finden. Und noch etwas: Glühwürmchen lieben Unordnung im Garten, damit
sie und ihre Larven sich verstecken können. Verwendet kein Schneckengift im Garten - Glühwürmchen kümmern sich gerne um eure Schnecken!
In der nächsten Folge geht es um die gesundheitlichen Folgen der Lichtverschmutzung für den Menschen.
Rettet die Nacht – Teil 4: Gesundheitliche Folgen für den Menschen – „Hast du gut geschlafen?“
Es ist nicht egal, wie du dein Haus und deinen Garten beleuchtest – und es ist nicht egal, wie wir unsere Häuser, Straßen und Plätze
beleuchten - nicht für die Pflanzen, nicht für die Tiere und schon gar nicht für die Menschen! Wieso und weshalb und was macht den Unterschied? Warum hilft es allen, wenn wir die Nacht wieder dunkel
sein lassen? Und was können wir dafür tun?
Auch für den Menschen ist Lichtverschmutzung nicht ohne Folgen. Ein Übermaß an künstlichem Licht in der Nacht kann
unseren biologischen Rhythmus, insbesondere den Schlaf-Wach-Zyklus, stören. Forschungen zeigen, dass zu viel Licht in der Nacht das Risiko für Schlafstörungen, Depressionen und andere gesundheitliche
Probleme erhöhen kann.
Wir wissen, dass die Melatoninproduktion durch nächtliches Kunstlicht gehemmt wird. Dieses „Dunkelhormon“ steuert viele Körperfunktionen sowie Reparatur- und Regenerationsprozesse. Ist der
Melatoninspiegel niedrig, kann sich dies negativ auf das Einschlafen auswirken, die Schlafdauer verkürzen und die Schlafqualität mindern. Das ist immer schlecht für die Gesundheit, denn erholsamer
Schlaf senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und psychische Erkrankungen. Für einen gesunden Schlaf gilt deshalb: Ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen helles, vor allem
aber bläuliches Licht vermeiden.
So wie wir am Tag das Sonnenlicht genießen, so könnten wir in der Nacht die Dunkelheit bewusst positiv wahrnehmen.
Die gute Nachricht: jede/r kann etwas gegen Lichtverschmutzung tun!
Welche Auswirkungen die Lichtverschmutzung hat und was du selbst tun kannst, sind in unserer Artikelserie zusammengetragen.
In der nächsten Folge geht es um das Verschwinden der Nacht und den Verlust des Sternenhimmels
Rettet die Nacht – Teil 5:
Ich seh den STERNENHIMMEL –
oder doch nicht?
Es ist nicht egal, wie du dein Haus und deinen Garten beleuchtest – und es ist nicht egal, wie wir unsere Häuser,
Straßen und Plätze beleuchten - nicht für die Pflanzen, nicht für die Tiere und schon gar nicht für die Menschen! Wieso und weshalb und was macht den Unterschied? Warum hilft es allen, wenn wir die
Nacht wieder dunkel sein lassen? Und was können wir dafür tun?
Wann hast du zuletzt in den dunklen Nachthimmel geschaut? Und wann zuletzt den Großen Wagen, den Polarstern oder den
Orion gesehen?
Ein Aspekt der Lichtverschmutzung, der oft übersehen wird, ist der Verlust des Sternenhimmels. Künstliches Licht dient schon lange nicht mehr nur der Sicherheit, sondern wird für die
Ausübung von Freizeitaktivitäten, aber auch exzessiv als Werbe- und Zierbeleuchtung genutzt. Unsere Nächte werden heller und heller, in Europa nimmt die Lichtverschmutzung jährlich 6% zu, in
Nordamerika sogar um 10%. Unmengen an Licht strahlen größtenteils nutzlos in Richtung Himmel ab. Durch Streueffekte in der Atmosphäre bilden sich daraus immense Lichtglocken über besiedelten
Gebieten. Hunderte Kilometer weit leuchten diese Lichtglocken und erhellen selbst dort die Nacht, wo es eigentlich dunkel wäre.
In vielen dicht besiedelten Regionen sind nur noch wenige Sterne zu sehen – ein Verlust, der nicht nur die Naturwahrnehmung, sondern auch unser kulturelles und spirituelles Erbe
betrifft. Jahrtausende lang wurde es nachts immer so dunkel, dass alle Menschen auf der Welt den beeindruckenden Sternenhimmel und seine Sternbilder bestaunen konnten. Jahrtausende lang wurde davon
maßgeblich die Kunst, die Wissenschaft, die Religion und die Tradition der Menschen beeinflusst und geprägt. Dieses wertvolle Kulturgut haben wir innerhalb von ein paar Jahrzehnten nahezu
zerstört.
Heutzutage wird einem dieser Verlust erst dann bewusst, wenn man mal an einem wirklich dunklen Ort fernab aller Lichter ist und sich
einem der Sternenhimmel in ganzer Pracht offenbart. Zum Beispiel die Milchstraße: In Deutschland gibt es nur wenige Gebiete, in denen sie für uns sichtbar ist – dazu gehören unter
anderem die Rhön, der Nationalpark Eifel und einige Nordseeinseln. Aus den hellen Dörfern, Städten und Metropolen kann man heute mit bloßem Auge statt bis zu rund 6000 Sterne nur noch ein paar
Hundert bis ein paar Dutzend Sterne sehen. Die Lichtverschmutzung nimmt uns den Sternenhimmel.
Die gute Nachricht: jede/r kann etwas dagegen tun!
In der nächsten Folge geht es um Licht am Haus und im Garten.
Rettet die Nacht – Teil 6:
Licht am Haus und im Garten
Es ist nicht egal, wie du dein Haus und deinen Garten beleuchtest – und es ist nicht egal, wie wir unsere Häuser, Straßen und Plätze beleuchten - nicht für die Pflanzen, nicht für die Tiere und schon gar nicht für die Menschen! Wieso und weshalb und was macht den Unterschied? Warum hilft es allen, wenn wir die Nacht wieder dunkel sein lassen? Und was können wir dafür tun?
Beleuchtung überall?!
Hast du dich mal nachts vor deine Haustüre gestellt und darauf geachtet, wie hell oder dunkel es in deinem Wohnumfeld ist? Wie viele
Hauseingänge, Hofeinfahrten und Fassaden sind in deiner Nachbarschaft beleuchtet? In wie vielen Gärten leuchten vermeintlich umweltfreundliche Solarlampen? Wie weit reicht das Streulicht der
Straßenbeleuchtung? Ist der Parkplatz des Supermarkts oder dessen Fassade nachts beleuchtet, obwohl niemand da ist?
Auch wenn es vielleicht nur um einzelne Lampen oder Solarleuchten geht, so haben sie dennoch großen Einfluss auf alle Tiere in deinem Wohnumfeld: Vom Igel bis zu den Nachtfaltern, Fledermäusen und nachts ruhebedürftigen Gebäudebrütern. Nicht zu vergessen die Nachbarn, die eventuell durch die Außenbeleuchtung am Ein- und Durchschlafen gehindert werden. Während wir unsere Rollläden runterlassen können, können sich die Tiere nicht dagegen wehren, wenn wir die Nacht vielerorts zum Tag machen.
Verantwortung beginnt zu Hause
Schon mit guter Planung im Vorfeld oder einfachen Umrüstungsmaßnahmen an bestehender Beleuchtung rund ums Haus und im Garten gelingt es, einen aktiven und wichtigen Beitrag zum Arten- und
Klimaschutz sowie zur Energieeinsparung zu leisten. Mit rücksichtsvoller und blendfreier Beleuchtung kann man außerdem einen wunderschönen Sternenhimmel genießen.
Unsere Tipps