Alternative Ecke e.V.
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Wildbienenschutz in der Praxis

Die Theorie in die Tat umgesetzt haben kurzfristig einige Vereinsmitglieder in der Engelterhohle in Zeutern. Mehrere Abschnitte der steilen Lösswände in diesem Hohlweg wurden am 9. November 2019 tatkräftig von Bewuchs befreit. Freie und besonnte Lösswände sind Lebensraum für einige Wildbienenarten, die nun dort im kommenden Jahr neue Bruthöhlen anlegen können. Nektar und Pollen werden sie auf Streuobstwiesen finden, die im Umfeld der Engelterhohle zahlreich vorkommen.

 

Wildbienen: Lebensweise, Gefährdung, Schutzmaßnahmen

„Bäuchlings auf einem Feldweg liegend oder auf den Knien vor einer Rettichblüte – um Wildbienen mit der Kamera näher zu kommen, braucht man viel Geduld“, erklärte der Brettener Naturfotograf und BUND- Vorsitzende Gerhard Dittes. In seinem Vortrag am 7. November im Kelterhaus Ubstadt zeigte er faszinierende Bilder von der Lebensweise dieser speziellen Insektengruppe, sprach über ihre Bedrohung und Möglichkeiten des Schutzes.

Über 400 verschiedene Wildbienen-Arten kommen in Baden-Württemberg vor, davon ist über die Hälfte stark gefährdet. Neben den Honigbienen sind sie unverzichtbare Bestäuber zahlreicher Kulturpflanzen und sichern uns reiche Ernten von Obst und Gemüse. Ein Wildbienen-Weibchen muss beispielsweise bis zu 100 Blüten besuchen, um genug Nahrung für einen einzigen Nachkommen zu haben. Wildbienen stechen nur, wenn sie z. B. in der Hand gedrückt werden, ihr Stich ist wegen des kürzeren Stachels und geringerer Giftmenge wenig schmerzhaft.

Das Wildbienenjahr beginnt mit den Hummeln (auch sie gehören zu den Wildbienen), die durch ihren „Pelzmantel“ schon bei niedrigen Temperaturen unterwegs sind. Durch ihre als Brummen wahrnehmbare Rüttelbestäubung sorgen sie im Sommer zum Beispiel bei Tomaten für einen hohen Fruchtansatz. Abgesehen von den staatenbildenden Hummeln leben Wildbienen alleine, die Weibchen legen Brutzellen an. Je nach Art graben sie Gänge in den Boden oder nutzen Hohlräume in Stängeln oder Holz. Dreiviertel der Wildbienen-Arten sind Erd-Nister und brauchen Flächen, die nicht geschottert und nicht versiegelt sind.

Gerhard Dittes benannte deutlich die Ursachen für die Bedrohung der Wildbienen: Lebensraumzerstörung und Pestizideinsatz. Jeden Tag werden in Deutschland 600.000m² Naturfläche vernichtet und pro Jahr 40.000 Tonnen Pestizide verwendet. „Es herrscht Alarmstufe ROT, wir können es uns nicht mehr leisten, Lebensräume zu vernichten, Pestizide auszubringen und „Gärten des Grauens“ anzulegen.“

Jeder Einzelne hat Möglichkeiten, den Wildbienen zu helfen. Man kann Nisthölzer aus Hartholz herstellen, in die man 3 bis 8 mm große Löcher bohrt. Regengeschützt aufgehängt werden sie im Frühjahr von den Mauerbienen und später von weiteren Wildbienenarten besiedelt. So kann man die Lebensweise dieser Tiergruppe von Nahem beobachten. Wiesenbesitzer sollten ihre Wiesen abschnittsweise mähen, um den Tieren ein Ausweichen zu ermöglichen. „Trinken Sie Bio-Weine!“, riet er zum Abschluss seines Vortrags. „Biologisch bewirtschaftete Weinberge sind ein Eldorado für Wildbienen.“

Heuschrecken zum Abschluss der ÖkoRegio-Touren

Ubstadt-Weiher (siw) Mit einer Heuschrecken-Exkursion sind am Sonntag,
4. August 2019 die ÖkoRegio-Touren 2019 in Ubstadt-Weiher zu Ende gegangen. Zu dieser letzten Veranstaltung hatten der Naturschutzverein Alternative Ecke e.V. und die Gemeinde eingeladen.

Der Biologe Dr. Hubert Neugebauer zeigte 22 interessierten Teilnehmern die häufigsten Heuschrecken-Arten der Region und erklärte die Besonderheiten dieser Tiergruppe. Verwirrung stiftete zunächst eine ganz kleine Heuschre>Es ist also nicht die Färbung, an der man die Heuschrecken-Art erkennt. Für Fachleute ist das wichtigste Bestimmungsmerkmal der ‚Gesang‘, der von den Heuschrecken mit Flügeln und Beinen auf unterschiedliche Art erzeugt wird. Äußerlich sind es Fühler, Körperbau und Halsschild, an denen man die Arten unterscheiden kann. In den Käschern und Becherlupen der Exkursionsteilnehmer konnten Nachtigallen-, Wiesen- und Gemeine Grashüpfer bestimmt werden, aber auch Sichel-, Strauch- und Keulenschrecken.

Und weil Heuschrecken-Fang hungrig und durstig macht, ließen die Teilnehmer die Exkursion bei regionaler Küche im Weinschlauch ausklingen. Die Gemeindeverwaltung dankt der Alternativen Ecke e.V. und Herrn Dr. Neugebauer für die interessante Veranstaltung!

 

Natur erleben mit dem Ökomobil

Auf Initiative der Alternativen Ecke kam das Ökomobil des Regierungspräsidiums Karlsruhe am Nachmittag des 13. Juli nach Ubstadt-Weiher. Dr. Daniel Baumgärtner konnte 8 Kinder und 18 Erwachsene begrüßen, die der Einladung zum intensiven Naturerleben gefolgt waren. Mit Becherlupen und Keschern ausgestattet starteten wir am Friedhof in Zeutern. Heuschrecken und Wanzen, Spinnen und Käfer, Falter und Bienen, alle wurden vorsichtig eingefangen, bewundert und zur genauen Untersuchung mitgenommen. Ein Hirschkäfer-Weibchen und sogar eine kleine Blindschleiche konnten wir beobachten. Über Feld- und Hohlwege, an Feldern und Wiesen entlang ging es bis hoch zum Wald. Auch pflanzliche Besonderheiten gab es unterwegs zu entdecken: die Wilde Möhre als Vorläufer unserer Karotte, die Skabiosen-Flockenblume als beliebte Nahrungsquelle von Wildbienen, die Stendelwurz als eine Vertreterin der Orchideen im Hohlweg. Wir lernten, dass Klettenlabkraut und Nelkenwurz ihre Samen gerne durch Tiere und Menschen verbreiten und dass man die Brutknollen des Wilden Knoblauchs und die Samen vom Springkraut essen kann.

Im Ökomobil, das als fahrendes Naturschutzlabor mit 24 Arbeitsplätzen ausgestattet ist, konnten alle ihre Tiere und Pflanzen unterm Stereo-Mikroskop anschauen und mit Hilfe der ausliegenden Bestimmungsbücher die Art herausfinden. Die Vergrößerung am Bildschirm ließ selbst winzige Details wie den Klapp-Rüssel einer Wanze oder die 12-teiligen Fühler der Furchenbiene riesig erscheinen.

An diesem Nachmittag erfuhren die Teilnehmer viel Wissenswertes und Erstaunliches über Tiere und Pflanzen in ihren Lebensräumen. Wer Lust hat, selbst zum Schutz der Natur vor Ort aktiv zu werden, ist herzlich eingeladen sich auf unserer Homepage umzuschauen. 

Von Klagen bis zum geschwätzigen Gesang Vogelwanderung am 19. Mai 2019

„Den haben wir extra für Euch bestellt“, schmunzelte der Vorsitzende des Ubstadter Naturschutzvereins ‚Alternative Ecke‘, Peter Grabitz, und wies auf den Storch, der am Sonntag um sieben Uhr über den Sportplatz stolzierte. Der Physik-Lehrer, der sich schon seit seiner Kinderzeit intensiv mit der Natur  und ihren Bewohnern beschäftigt, war der Leiter, der von der Gemeinde Ubstadt-Weiher und der Alternativen Ecke gemeinsam organisierten Vogelstimmen-Exkursion.

So sehr sich die über 30 Vogelfreunde über den Anblick von Adebar, dem Storch, freuten, singen wollte der an diesem frühen Morgen nicht für sie. Kein Wunder – schließlich ist der Storch kein Singvogel. „Aber selbst unter den Singvögeln gibt es einige, die nicht wirklich singen können, beispielsweise die Rabenvögel“, erklärte Peter Grabitz den ornithologisch interessierten Naturfreunden, bevor die Gruppe sich auf den Weg machte. Durch das ökologisch wertvolle Streuobstwiesengebiet zwischen Zeutern und Ubstadt führte der Vogelstimmenkenner die Vogelfreunde.

„Manche Vogelstimmen kann man schwer auseinander halten“, machte Grabitz den Teilnehmern gleich zu Beginn der Exkursion deutlich, dass man das Erkennen von Vogelstimmen, wie beispielsweise die der verschiedenen Grasmückenarten nur durch viel Übung erlernen könne. „Selbst ich muss mir manche Vogelstimmen jedes Frühjahr wieder von Neuem einprägen“, gestand er. Ein Problem, das viele Vogelfreunde kennen. Auch Margret Börgerding. „Ein paar Vögel erkenne ich ja schon am Gesang, aber ich will unbedingt noch mehr lernen“, erklärte die Frau aus Zeutern, warum sie an diesem Sonntagmorgen schon so früh unterwegs war. Richard Weigele aus Kraichtal wollte dagegen vor allem wissen, welche Vogelarten man in den Zeuterner Streuobstwiesen noch findet und die kleine Marla aus Stettfeld findet alle Tiere toll. „Vögel mag ich aber besonders gern, mein Lieblingstier ist der Adler“, betonte die Siebenjährige.

Den bekam sie an diesem Morgen natürlich weder zu hören noch zu sehen, dafür aber so manch anderen selten gewordenen Vogel. Das eigenartige Klagen  des Wendehalses, eine Spechtart, die auf Streuobstwiesen als Lebensraum angewiesen ist, oder den Gartenrotschwanz. „Das ist ein Verwandter unseres Hausrotschwanzes“, wies der Vorsitzende der Alternative Ecke in Richtung eines Obstbaumes, von wo man einen leisen, wenig abwechslungsreichen Gesang hören konnte. Ganz anders der laute, teils melodische, teils geschwätzige Gesang der Mönchsgrasmücke. „Für mich ist das eine der schönsten Vogelstimmen“, sagte Grabitz und erntete viel Zustimmung.

„Warum singen Vögel überhaupt?“, war eine der Fragen, die der Vogelkenner an diesem Vormittag beantwortete. „Vögel singen, um ihr Revier abzugrenzen und um Weibchen anzulocken“, erklärte Grabitz, und der Gesang bei Singvögeln sei reine Männersache. (Text von Franz Lechner –mit freundlicher Genehmigung).

Viele Vogelfreunde lockte die Exkursion durch das Streuobstwiesengebiet zwischen Zeutern und Ubstadt schon am Sonntagmorgen ins Grüne. Vogelstimmen-Experte Peter Grabitz (rechts) erläuterte den Teilnehmern einzelne Stimmen.

Bildautor: Franz Lechner - mit freundlicher Genehmigung

Hohlwegspflege in Zeutern
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